Von nichts kommt nichts!
Journalistenpreis der IGZ an Report-Mainz-Macher.
Nicht erst seit Hartz 1 gibt es in der Zeitarbeit Tarifverträge. Seit Hartz 1 betreffen sie aber
im wesentlichen drei größere Arbeitgeberverbände, nämlich den Arbeitgeberverband
Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) mit dem größten Wirkungsbereich in der
Fläche, den Bundesverband Zeitarbeit, in welchem die größten Unternehmen der
Zeitarbeit organisiert sind und den IGZ, Interessenverband deutscher
Zeitarbeitsunternehmen, letzterer mit Sitz in Münster/Westfalen. Bundesgeschäftsführer
des IGZ ist Rechtsanwalt Werner Stolz. Dieser hatte sich in der Vergangenheit besonders
dadurch hervorgetan, bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit gegen die
Tarifgemeinschaft der Christlichen Gewerkschaften in der Zeitarbeit, CGZP zu
polemisieren. Dafür gibt es einige Beispiele. So propagierte Stolz mit Datum 16.04.2007
ein Urteil des Arbeitsgerichtes Osnabrück, nach dem die CGZP angeblich „nicht tariffähig“
sei. Selbstverständlich fehlte dabei der Hinweis, dass derartige Entscheidungen von einem
Arbeitsgericht, welches für die CGZP laut Arbeitsgerichtsgesetz überhaupt nicht zuständig
ist, überhaupt nicht getroffen werden kann.
Bevor Stolz am 15. März 2001 hauptamtlicher Geschäftsführer des IGZ wurde, hatte es
noch Gespräche zwischen dem damaligen Vorsitzenden der IGZ, Richter und den
Christlichen Gewerkschaften in Duisburg gegeben. Nach dem Amtsantritt von Stolz
brachen diese Gespräche ab. Am 29. Mai 2003 unterschrieb die IGZ dann ein Tarifwerk
mit der DGB-Tarifgemeinschaft und am 30. Mai 2006 einen Tarifvertrag zur Regelung von
Mindestarbeitsbedingungen in der Zeitarbeit mit dem Ziel, beim BMAS einen Antrag auf
Aufnahme der Zeitarbeit in das Entsendegesetz zu stellen und damit den konkurrierenden
Tarifvertrag der CGZP mit dem AMP vom Markt zu drängen. Dahinter stecken reine
Geschäftsinteressen, keine Frage.
Zu den Merkwürdigkeiten in der Agitation von Stolz gehört sicherlich, dass er zunächst die
im Jahr 2008 von der IG-Metall Bezirk Frankfurt ins Leben gerufene „Fairnesskampagne“
in einer Pressemeldung vom 26. März 2008 mit den Worten kritisierte "Die jetzt von der IG
Metall gestartete `Fairness-Kampagne` in der Zeitarbeitsbranche wird den eigenen
Maßstäben nicht gerecht", erklärte Werner Stolz, Bundesgeschäftsführer des
Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ). "Die IG Metall setzt alle
angeschriebenen Zeitarbeitsbetriebe in Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und im
Saarland massiv unter Druck und droht pauschal mit öffentlicher Verunglimpfung." Dies sei
schlechte Gewerkschafts-Schule und widerspreche dem Geist der bislang
funktionierenden Sozialpartnerschaft mit dem Arbeitgeberverband IGZ. Statt alle seriösen
Personaldienstleister unter Generalverdacht zu stellen, wäre die IG Metall gut beraten,
ihre Anliegen im Rahmen von Tarifverhandlungen vorzutragen und dort nach konstruktiven
Lösungen zu suchen, so Stolz. „ (Zitat Ende). Am 11. April 2008, also 3 Wochen später, meldete der IGZ dann dem Abschluss eben
jenes Fairnessabkommens mit der IG-Metall durch den IGZ.
Die andauernden Hiebe aus Richtung IGZ gegen die CGZP zeigten insofern Wirkung, als
dass sich das durch seine Anti-CGB-Berichte bekannte Politmagazin „Report-Mainz“
zwischenzeitlich einschaltete und am 10. Dezember 2007 in einem Bericht mit dem
prahlerischen Titel „Was sich hinter den christlichen Gewerkschaften verbirgt“ eine wild
zusammengestrickte Story brachte. Immer wieder tauchte in diesem Zusammenhang auch
der „bekannte“ Arbeitsrechtler Professor Schüren auf, welcher sich durch seine Attacken
gegen die Christlichen Gewerkschaften zu profilieren sucht. Schüren ist an der Universität
Münster tätig, der IGZ und damit Herr Stolz haben ihren Sitz in Münster. Ein Schelm, der
böses dabei denkt!
Was aber hat die Redaktion von „Report-Mainz“ des öffentlich-rechtlichen ARD-Senders
SWR geritten, nunmehr zum dritten Male in einer nahezu unerträglichen Art und Weise
gegen die Christlichen Gewerkschaften zu polemisieren ?
Dem Zeitarbeitsdienst AIP, Ausgabe 6/2008, ist zu entnehmen, dass den Journalisten der "Report-Mainz" Sendung vom 10. Dezember 2007, Thomas Dauser und Beate Klein, ein
mit einer bestimmten Summe dotierter "IGZ-Journalistenpreis" verliehen wurde. Seitens
der IGZ wird dabei betont, dass jene Journalisten sich damit beschäftigt hätten, "was sich
hinter den christlichen Gewerkschaften verbirgt"
Damit schließt sich der Kreis und das Rätsel scheint gelöst. In dem Lied „99 Luftballons“
der Sängerin Nena heißt es an einer Stelle „dass sowas von sowas kommt“. Natürlich
versucht die ARD zwischenzeitlich zu erklären, dass das eine mit dem anderen nichts zu
tun habe und man sich wegen der Gründe für die Verleihung „an den IGZ wenden solle“.
Aber der hat es ja bereits erklärt und insofern wird deutlich, dass so manches, was frei und
unabhängig daher kommt, in Wirklichkeit auch „von sowas kommt!“
Bleibt dennoch die Frage, mit welchem Fach- und Hintergrundwissen Journalisten
derartige Themen angehen. Hier ist zunächst ein gewisses Defizit durchaus festzustellen.
Wenn in der „Report-Mainz“-Sendung vom 28. Juli 2008 völlig unbedarft seitens der
Redaktion die Aussage einer ver.di Sprecherin übernommen wird, der Tarifvertrag der
CGPT mit TNT bleibe beim Urlaub „unter dem Bundesurlaubsgesetz“, dann muß am
Fachwissen der Berichterstatter gezweifelt werden. Das Bundesurlaubsgesetz kennt beim
Mindesturlaub keine Öffnungsklausel nach unten. Insofern kann ein Tarifvertrag nicht
weniger als den Mindesturlaub vorsehen. Das Bundesurlaubsgesetz geht von einer 6 Tage
Woche und 24 Tagen Mindesturlaub aus, der Tarifvertrag von der 5 Tage Woche. Insofern
sind 22 Tage Urlaub, zudem nach oben weiter gestaffelt, mehr als der Mindesturlaub nach
dem Gesetz! Hier haben die Report-Leute kritiklos eine ver.di Falschinformation
transportiert und es wahrscheinlich nicht einmal gemerkt. Und der Mindestlohn von 7,50
Euro aus dem entsprechenden Tarifvertrag (West) ist eben jener Mindestlohn, den der
DGB flächendeckend fordert.
Abweichungen von den Bestimmungen des Kündigungsfristengesetzes finden sich in
vielen Tarifverträgen, auch in den Tarifverträgen von DGB-Gewerkschaften. Nur im TNTVertrag
der CGPT ist dies plötzlich kritikwürdig?
Steht einem Moderator dann die Aussage zu, dass nicht „überall wo Gewerkschaft drauf
steht, auch Gewerkschaft drin“ sei ? Zu einer seriösen Berichterstattung würde es
gehören, die Bedeutung der Gewerkschaften insgesamt zu beleuchten. Bei einem
Gesamtorganisationsgrad von nunmehr 17,5 Prozent sind schlichtweg alle
Gewerkschaften Minderheiten in diesem Land. Und wenn die Ostthüringsche Zeitung in
ihrer Ausgabe vom 24.07.2008 meldet, dass ver.di auf Anfrage erklärt, keine
Mitgliedzahlen heraus zu geben, dann spricht dies Bände. Es ist unseriös seitens Report-Mainz und Panorama, den Christlichen Gewerkschaften vorzuwerfen, was ver.di für
normal hält.
Es ist nicht seriös, wenn eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt sich in den Dienst einer
Konkurrenz stellt. Dies kann einmal passieren, beim zweiten Mal sollte man es dort
bemerkt haben. Report-Mainz macht es nun zum dritten Mal.
Und es ist absolut unprofessionell, wenn man verschweigt, dass es ohne die
Tarifabschlüsse der Christlichen Gewerkschaften in weiten Bereichen der Wirtschaft überhaupt keine Tarifverträge gäbe. Auch hier hat die Berichterstattung der Report-Sendungen an der Stelle aufgehört, wo es im Grunde interessant wurde, nämlich bei der
Frage, warum wird der Tarifvertrag der Christlichen Gewerkschaften kritisiert, wenn es
doch so einfach wäre, einen Vertrag einer DGB-Gewerkschaft an dessen Stelle zusetzen?
Und es ist unseriös, diejenigen, über die man berichten möchte, mit vollendeten Tatsachen
zu konfrontieren und ihnen nicht zuvor die Gelegenheit zu geben, sich auch nur minimal
auf den zu erwartenden Bericht vorbereiten zu können.
Es ist unseriös zu verschweigen, dass es 670 Tarifverträge von DGB-Gewerkschaften gibt,
welche unterhalb des vom DGB selbst geforderten Mindestlohnes von 7,50 Euro liegen!
Und schließlich ist es für eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt beschämend, eine
Sensationsberichterstattung zu betreiben, in der das Ergebnis vorgegeben wird und die„Recherche“ lediglich dem Ergebnis zu dienen hat. Die Report-Leute haben dabei sogar
mit versteckter Kamera „gearbeitet“ und danach nicht nachvollziehbare„Gedächdnisniederschriften“ ins Internet gestellt (siehe Bericht über DRK und DHV vom 7.
April 2008). Da hilft es auch nicht, an der einen oder anderen Stelle ein Fragezeichen zu
setzen.
Und sich dann mit einem „Medienpreis“ zu schmücken, ist ein eher trauriges Kapitel im
Spiel um Einschaltquoten.
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