Christlicher Gewerkschaftsbund trifft sich mit französischen Kollegen
Die Führungsspitze des Christlichen Gewerkschaftsbundes Deutschlands (CGB) tauschte sich unter Leitung ihres Vorsitzenden Matthäus Strebl, MdB, mit führenden Vertretern der Confédération Francaise des Travailleurs Chrétiens (C.F.T.C.), der französischen Partnergewerkschaft, über die Entwicklungen des Weltverbandes der Arbeitnehmer (WVA), des internationalen Dachverbandes Christlicher Gewerkschaften, aus.
Alle Gesprächspartner brachten ihre Sorge darüber zum Ausdruck, dass mit einer Fusion des sozialistisch orientierten Internationalen Bund freier Gewerkschaften (IBFG) mit dem WVA weltweit ein Stück christlicher Soziallehre verloren geht. Vor allem die belgischen christlichen Gewerkschaften streben eine derartige Fusion der Dachverbände an.
Der Generalsekretär der C.F.T.C., Jacky Dintinger, stellte klar, dass die in der C.F.T.C. abgestimmte Position eine Fusion mit den sozialistischen Gewerkschaften nicht zulässt. Deshalb wird die C.F.T.C. keine Bestrebungen in dieser Richtung mittragen, notfalls den WVA auch verlassen.
Gerade in der Metall- und Elektroindustrie ist eine abgestimmte Interessenvertretung von Arbeitnehmern über die nationalen Grenzen von großer Bedeutung. Matthäus Strebl machte diese Notwendigkeit einer Vernetzung am Beispiel drohender Produktionsstandortverlagerungen von Automobilzulieferbetrieben deutlich. Reinhardt Schiller, Bundesvorsitzender der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) zeigte die Vernetzung der Großindustrie am Beispiel des Airbus auf. Mitbestimmung und Interessenvertretung im europäischen Kontext, geprägt durch die christliche Soziallehre wird an Bedeutung gewinnen. Sie braucht eine internationale Stimme.
Es wundert nicht, dass gerade Branchengewerkschaften der Chemie und des Bergbaus, sowie der Metall- und Elektroindustrie diejenigen Gewerkschaften sind, die einen Zusammenschluss von WVA und IBFG forcieren. Dass eine Zusammenarbeit nicht die Aufgabe der Vielfalt der weltanschaulichen Grundsätzen bedeutet, das scheint von den Fusionsbefürwortern nicht jedoch verstanden worden zu sein.
Valère Jung, Generalsekretär der C.F.T.C. Métallurgie, sieht aber wenig Chancen, die Fusionsbestrebungen noch aufzuhalten, die im Frühsommer 2006 vollzogen sein soll. Der Einfluss der Belgier auf den WVA erscheint dafür zu groß.
Es sind deshalb alternative Wege zu prüfen, wie eine internationale Organisationsform der Christlichen Gewerkschaftsbewegung zukünftig aussehen kann. Jörg Hebsacker, Bundesvorsitzender des Deutschen Handels- und Industrieangestelltenverbandes im CGB (DHV), sieht in der Erweiterung des Weltbundes der Angestellten (WBA) eine Möglichkeit. Der internationale Zusammenschluss der christlichen Angestelltengewerkschaften hat im November 2004 auf seinem Kongress im indonesischen Medan den Beschluss gefasst, dass für ihn eine Fusion mit dem IBFG nicht in Frage kommt. Ein Abrücken von diesem Beschluss erscheint derzeit als unwahrscheinlich.
In den kommenden Monaten wird das Gespräch mit dem WBA gesucht, um neue Mitglieder aufzunehmen. Diese könnten auch die CFTC und die CGM sein, der DHV ist dort bereits Mitglied. Ob daraus ein neuer christlicher Dachverband entstehen kann, das kann noch nicht abgesehen werden.
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