Sitemap
Impressum
Suchen
aktuell
wir über uns
organisation
cgb service club
kontakt
downloads
archiv
links

Interview mit der Zeitung "Unternehmermagazin" am 5. Mai 2003

Frage: Müssen sich Ihrer Meinung nach Gewerkschaften wandeln? - Was unterscheidet den CGB vom DGB?

Antwort Smits: Gewerkschaften müssen sich immer den Bedingungen anpassen, die sie in der Wirtschafts- und Arbeitswelt finden. Wir vertreten die Interessen der Beschäftigten. Diese sehen sich regelmäßig dem Wandel ihres Arbeitsplatzes ausgesetzt. Daran ist die Betreuung von Gewerkschaften auszurichten. Uns unterscheidet vom Deutschen Gewerkschaftsbund in erster Linie, dass wir auf betrieblicher wie tarifvertraglicher Ebene den Arbeitgeber oder den Arbeitgeberverband als Partner und nicht als Gegner ansehen. Diese Partnerschaft muss von beiden Seiten getragen werden und nicht nur einseitig ausgelegt werden.

Frage: Stimmen Sie zu, dass die Positionen etwa von IG Metall oder Verdi ziemlich stur und kontra-produktiv sind? Das man mitverantwortlich ist für wachsende Arbeitslosenzahlen?

Antwort Smits: Mit ideologischer Besitzstandswahrung für einen Teil der Beschäftigten wird man keine richtigen Antworten auf die drängensten Probleme in unserem Land finden. Der CGB hat sich immer dafür ausgesprochen, dass der Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehälter möglichst gering sein muss. Die derzeitige Tendenz ist eine gegenteilige. Wir halten es für zwingend geboten, die Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen spürbar zu reduzieren. Dies kommt dem Arbeitnehmer wie dem Arbeitgeber unmittelbar zu Gute. Nur durch die spürbare Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge kann es uns gelingen, dass Unternehmer wieder stärker einstellen. Alle Forderungen, die dieses Grundprinzip nicht einsehen wollen, sind mitverantwortlich dafür, dass die Arbeitslosenzahlen in Deutschland steigen, zumindest aber keine neue Beschäftigung geschaffen wird.

Frage: Gerade der Mittelstand und insbesondere der Osten kämpft mehrheitlich ums Überleben. Da steckt kaum noch einer Gewinne ein. Was spricht dagegen, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander überlegen den Betrieb und Arbeitsplätze zu retten, statt um weniger Arbeitszeit und höhere Löhne zu diskutieren?

Antwort Smits: Gerade in den neuen Bundesländern haben die Gewerkschaften unter dem Dach des CGB in vielen Tariffeldern neue Maßstäbe gesetzt. Mit dem "Phönix-Tarifvertrag" hat die Christliche Gewerkschaft Metall ein Tarifvertragswerk abgeschlossen, in dem Öffnungsklauseln für betriebliche Regelungen im Fall drohender Insolvenz eingebaut worden sind. Außerdem sind Arbeitszeitmodelle tarifviert worden, die auf der Basis von Langzeitarbeitskonten geführt werden. Auch in diversen Handwerksbranchen, also bei den klassischen kleinen mittelständischen Unternehmen, haben Christliche Gewerkschaften in den vergangenen Jahren die Tarifhoheit errungen. Seit kurzem schließen sich die Wohlfahrtsverbände an. Wir wissen um die Notwendigkeit Arbeitsplätze zu sichern. Deshalb sind tarifpolitische Forderungen an dem Machbaren, und nicht an dem Erwünschenswerten zu messen. Dies haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach nachgewiesen.

Frage: Woher weiß man an Ihrer Gewerkschaftsspitze, wie genau es an der Basis aussieht? Und was die Interessen der Arbeitnehmer sind? Gibt es regelmäßige Treffen, Gespräche...?

Antwort: Die Gewerkschaften unter dem Dach des Christlichen Gewerkschaftsbundes Deutschlands unterhalten keine großen Verwaltungen, in denen mit viel bürokratischen Aufwand Entscheidungen vorbereitet werden. Die meisten der 17 im CGB zusammengeschlossenen Gewerkschaften werden ausschließlich ehrenamtlich geführt. Die Vorstände gehen einer normalen Berufstätigkeit nach. Wer kann besser erkennen, welche tatsächlichen Bedürfnisse die Beschäftigten in einem Betrieb oder in einer Branche haben, als die Beschäftigten selbst? Durch diese sehr starke ehrenamtliche Verankerung haben wir direkten Zugang zu den Schwierigkeiten und Problemen, die unsere Mitglieder beschäftigen. Jede einzelne unsere Gewerkschaften ist in Bundesverband, Landesverbände, Orts- und/oder Betriebsgruppen gegliedert. Alle diese Gliederungen verfügen über eigenständige Organe, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch treffen. Für die Tarifpolitik sind, je nach Geltungsbereich, Tarifkommissionen vorhanden. Die Verhandlungskommissionen bei Tarifverhandlungen müssen sich, genauso wie beim DGB, mit den erzielten Verhandlungsergebnissen bei ihren Tarifkommissionen rückversichern. Wir verzichten aber auf große Apparate, in denen theoretische und dogmatische Modelle entwickelt werden können, die dann durch entsprechende Funktionärskreise bis an die Basis durchgedrückt zu werden.

Frage: Was ist Ihr Hauptkritikpunkt an Arbeitgebern? Liegt es wirklich im Wesen der Sache, in permanenter Konfrontation zueinander zu sein - oder kann man viel mehr bestimmte Lösungen viel besser miteinander umsetzen? Oder ist die Gewerkschaft der Definition jemand, der dagegen sein muss? Muss Gewerkschaft kämpfen?

Antwort: Wie oben bereits angedeutet, gehen wir in erster Linie von einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus. Damit ist die permanente Konfrontation von vornherein nicht gegeben. Gewerkschaften machen sich unglaubwürdig, wenn sie immer nur Nein sagen. Sie müssen an der Lösung von Problemen konstruktiv mitarbeiten. Sie müssen manchmal aber auch kämpfen. Leider findet man das Selbstverständnis von Betriebspartnerschaft nicht immer und überall auf Arbeitgeberseite. Dort ist eine offene Konfrontation vorhanden, dort müssen Arbeitnehmer auch für ihre Rechte und Möglichkeiten kämpfen. Christliche Gewerkschaften setzen sich selbstverständlich dafür ein, dass in Betrieben in der Regel Betriebsräte existieren. Wir sind aber nicht die Initiatoren zur Gründung von Betriebsräten. Die Beschäftigten müssen Motor einer solchen Entwicklung sein. Wir unterstützen dann die Bildung der Betriebsräte. Dabei geht es uns nicht darum, dass Betriebsräte die Spitzen von Gewerkschaften in Betrieben sind. Sie unterhalten viel mehr eine Moderationsfunktion zwischen dem Arbeitgeber auf der einen Seite und dem Beschäftigten im Unternehmen auf der anderen Seite. Wer könnte dies besser tun, als Vertreter der Beschäftigten selbst. Auf überbetrieblicher Ebene sind es die gewerkschaftlichen Fragen, die im Vordergrund stehen. Viele Arbeitgeber haben dies heute nicht erkannt. Viele Arbeitgeber haben deshalb ein völlig falsches Bild von dem, was gewerkschaftlich verantwortungsvolle Politik darstellen müsste. Viele Arbeitgeber sehen deshalb in Betriebsräten eher ein Risiko, als eine Chance. Eine größere Offenheit seitens der Arbeitgeber und ein geringeres Misstrauen gegenüber Gewerkschaften wäre deshalb wünschenswert.

Frage: Was sollte an einer modernen Gewerkschaft anders sein als etwa in den letzten 10, 20 Jahren?

Antwort: Wir leben in einem Land, in dem die veröffentlichte Meinung über Gewerkschaften ein wesentliches Feld ausblendet. Wenn von den Gewerkschaften geredet wird, wird angenommen, es handelt sich um eine der acht Gewerkschaften unter dem Dach des DGB. Es wird vergessen, dass es zahlreiche Gewerkschaften gibt, die völlig anders ausgerichtet sind, als das was Personen wie Klaus Zwickel, Frank Bsirske oder Michael Sommer von sich geben. Uns muss es gelingen, dass der tatsächliche vorhandene Gewerkschaftspluralismus auch öffentlich stärker wahrgenommen wird. Dann wird es auf Arbeitnehmerseite zu einer Auseinandersetzung kommen, die regulierend wird. Wenn Arbeitnehmer die Auswahlmöglichkeit haben, durch wen sie ihre Interessen vertreten sehen wollen, dann findet ein Wettbewerb um die richtige Interessenvertretung statt. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass Gewerkschaften in Zukunft stärker denn je auf berufsspezifische Belange in ihren Angeboten eingehen müssen. Dies lässt sich durch spezielle Berufsgewerkschaften besser bewerkstelligen als durch sehr große Massenorganisationen, die sich ausschließlich an Branchen orientieren. Die Gewerkschaft der Zukunft wird deshalb die Mitarbeiterinteressen wesentlich differenzierter als bisher vertreten zu haben.
Zurück