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Gewerkschaftsjubiläen bei den christlichen Gewerkschaften 2023 und 2024

Einige unserer christlichen Gewerkschaften haben aktuell Jubiläum. Sie sind zum Teil 130 Jahre alt. Zum 125. Mal jährt sich der erste Kongress der christlichen Gewerkschaften in Mainz 1899. 130 Jahre Jubiläum hat in diesem Jahr die Gewerkschaft DHV, die ihren Sitz in Hamburg hat. DHV, Deutscher Handlungsgehilfen Verband, so der ursprüngliche Name. Der Sitz des DHV ist Hamburg und dies ist eigentlich klar, denn in dieser großen Hafenstadt saßen die vielen Reedereien mit ihren Angestellten in den Kontoren. Der DHV entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer christlich-sozialen Angestellten-Gewerkschaft, die heute eine Dienstleistungsgewerkschaft im Bereich sozialer Berufe, Handel, Banken und Versicherungen ist. Johannes Irwahn wurde der erste Verbandsvorsteher.

Älteste der klassischen christlichen Arbeitergewerkschaften ist die Christliche Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, heute abgekürzt CGBCE, die im nächsten Jahr ihr 130-jähriges Jubiläum hat. Am 28. Oktober 1894 wurde in Essen der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter gegründet. Erster Vorsitzender wurde August Brust.

Zum 125. Mal hat im nächsten Jahr die Christliche Gewerkschaft Metall Geburtstag. Sie wurde 1899 in Duisburg als Christlicher Metallarbeiter Verband CMV gegründet und Franz Wieber war ihr erster Vorsitzender. Essen, Duisburg, das Ruhrgebiet aber auch die Saar oder das schlesische Industriegebiet waren die Keimzellen der christlichen Gewerkschaftsbewegung.

Im Jahr 1899 fand in Mainz der erste Kongress aller christlichen Gewerkschaften statt. Dort begann die Zusammenarbeit der C-Gewerkschaften. In Mainz wurde auch das erste Programm der christlichen Gewerkschaftsbewegung beschlossen.

Wann die Gründung von christlichen Gewerkschaften bei der früheren Reichspost oder Reichsbahn begann, kann man heute leider nicht genau feststellen. Der Verband der Postagenten, später Posthalter gehörte dem Dachverband der christlichen Gewerkschaften an. Die christlich-sozialen Postler organisierten sich in der Deutschen Postgewerkschaft DPG. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die DPG zur Einheitsgewerkschaft DGB. 1956 wurde die CGP, heute CGPT von Siegfried Rahammer gegründet.

Warum wurden vor 125 Jahren christliche Gewerkschaften gegründet? Hier der Versuch einer kurzen Antwort. Die Arbeiterbewegung war stark geprägt von der Bewegung der Marxisten und den Lassalle-Anhängern. Letzterer war SPD-Gründer. Da die politische Linke damals extrem anti- kirchlich war und radikaler war, hatten die Kirchenvertreter, und vor allem die gläubigen Arbeitnehmer, Probleme mit der beginnenden Gewerkschaftsbewegung. Es wurden dann kirchliche, also katholische oder evangelische, Gewerkvereine gegründet, um nicht Mitglied von kirchen-kritischen Gewerkschaften werden zu müssen. Nur dort hatten überwiegend Pastöre und Kapläne das sagen. Aber es ging ja auch um mehr Lohn und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Um dies zu erkämpfen, waren die Gewerkvereine nicht geeignet. Also wurden überkonfessionelle christliche Gewerkschaften gegründet, die auch guten Zulauf fanden. Christliche Gewerkschaften sind in Deutschland die erste ökumenische Bewegung. Damit taten sich aber wieder große Teile des katholischen Klerus schwer. Ein Teil der Priester unterstütze begeistert die neuen christlichen Gewerkschaften und der andere Teil hielt das für Teufelszeug und sah das Seelenheil des katholischen Arbeiters/Arbeiterin gefährdet, wenn man mit sogenannten „Luther’schen“ in einer Gewerkschaft war. Diese Zeit nennt man auch den sogenannten Gewerkschaftsstreit, der von 1900 bis 1912 ging. Gelöst wurde er - wie so oft in der katholischen Kirche - mit einer Enzyklika des Papstes. Hier nur kurz sinngemäß wiedergegeben: Es ist den katholischen Arbeiterinnen und Arbeitern erlaubt, sich zur Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen in überkonfessionellen christlichen Gewerkschaften zu organisieren. Für die Sorge um das Seelenheil der katholischen Arbeiterinnen und Arbeiter sind die katholischen Standes- und Gewerkvereine zuständig.

Seit 1905 sind viele christliche Gewerkschafter Mitglied des Reichstages geworden. Insbesondere in der sogenannten Weimarer Republik 1918-1933 hatten die christlichen Gewerkschaften einen starken politischen Einfluss und waren bemüht, die Republik und die Demokratie zu stabilisieren. Adam Stegerwald, Johannes Giesberts, Bartholomäus Koßmann, Helene Weber, Christine Teusch oder Reichskanzler Heinrich Brüning gehörten zu den vielen prominenten christlichen Gewerkschafter im Reichstag. Nach Hitlers Machtergreifung wurden Gewerkschaften verboten und die Demokratie abgeschafft. Es begann die finsterste Zeit in der Geschichte unseres Landes. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland Gewerkschaften neu gegründet. In der Bundesrepublik versuchte man es zunächst mit der sogenannten Einheitsgewerkschaft. Aber die Neutralität dort hielt nicht lange, so dass bereits in den 50iger Jahren die christlichen Gewerkschaften nach und nach neu gegründet wurden. Johannes Even und Bernhard Winkelheide von der KAB und Heinrich Voß vom EAB waren die Indikatoren.

Am 27.06.1959 wurde in Mainz der CGB als neuer Dachverband gegründet (in Weimar hieß der Dachverband der christlichen Gewerkschaften DGB). Peter Gier aus dem Saarland wurde erster CGB Bundesvorsitzender.

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Gedruckt am 25.05.2024 19:05.